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Staunen
Anfassen
Verstehen
Zur Ausstellung
Die MiMa rückt mit der Ausstellung und zahlreichen Aktionen im Begleitprogramm ein unübliches Thema ins Licht. Der Tod macht uns oft sprachlos. Er ist ein Tabu, etwas, worüber wir ungern sprechen. Wir haben für Vergänglichkeit, Alter und Tod keinen Platz in unserer dynamischen, leistungsorientierten Gesellschaft. Oft wird der Tod heute in Krankenhäuser, Pflegeheime und Hospize verbannt. Aus dem Auge aus dem Sinn? Es sind die Erwachsenen, die das Thema von den Kindern fernhalten. Unsere Kinder aber lassen sich nicht abwimmeln. Sie wollen wissen, was geschieht, warum und wieso. Das ist auch gut so. Der Tod gehört zum Leben – und die Beschäftigung mit ihm heißt auch, sich mit seiner eigenen Existenz und Endlichkeit auseinanderzusetzen.
Mit Reisepass und Einreisevisum trittst du die „Reise auf die andere Seite“ an. Eine Reise mit garantierter Wiederkehr, zu einem Ort, an dem man lachen und weinen, schweigen und über Dinge gemeinsam reden kann, über die man sonst nicht spricht. Pädagogen raten sogar zur Auseinandersetzung mit dem Tod. Hat der Tod etwas in den Gedanken der Kinder zu suchen? Ja, sagen viele Fachleute und Pädagogen: Über den Tod wird viel zu wenig und viel zu spät gesprochen. Um Kinder nicht zu ängstigen, tabuisieren Erwachsene das Thema und halten den Tod von Kindern aus falsch gemeinter Fürsorge fern. Es braucht wenig, einen kleinen Anstoß nur, um mit Kindern mitten im Gespräch zu sein.
So gibt es in der MiMa Räume zum Nachdenken, zum Spielen und zum Anfassen. Es gibt Dinge zum Staunen und Lachen und natürlich Kunst und Kreativität.
Omas, Väter, Teenies und Grundschulkinder, Menschen aller Generationen von 5 bis 99 Jahre kommen hier zusammen und erfahren, dass Alter, Zeit, Leben und Tod EINS sind.
Kinder haben nur wenige Berührungsängste. Sie gehen offen und ohne Furcht in die Ausstellung, stellen Fragen, klappen den Sarg auf und zu, bestaunen neugierig den farbenprächtigen mexikanischen Gabentisch oder die Mumifizierungspraktiken der alten Ägypter. Märchen und Spiele, Kultur- und Religionsgeschichten werden durch die interaktiven Exponate lebendig.
Der Gedanke von ewiger Jugend und Schönheit, von Unsterblichkeit und Vergänglichkeit hat die berühmtesten Künstler inspiriert. Bilder und Symbole sollten das Unfassbare begreifbar machen. Genauso helfen uns Bilder, kreativ Eindrücke zu verarbeiten und in Dialog mit uns und der Welt zu treten. Ein gut ausgestattetes Atelier stiftet die Besucher dazu an, selbst durch einen kreativen Prozess Erkenntnisse und Gefühle zu verarbeiten, Trost zu suchen und zu finden. So finden wir eine Sprache, wenn Worte fehlen.
Kreativität lässt uns miteinander sprechen über das Unsagbare, gemeinsam finden wir Trost. Begleitet werden unsere Besucherinnen und Besucher von ehrenamtlichen Mitarbeitern der Hospiz-Gruppe Ingelheim, dem Malteser Hospizdienst Bingen, einer Kunsttherapeutin (in Ausbildung) und den geschulten MiMa-Guides.
Die interaktive Ausstellung wurde bereits erfolgreich an 17 Stationen in Deutschland, Österreich und Luxemburg gezeigt. Die Besucher berichten dankbar und mit Freude über die Erlebnisse in der Ausstellung: „Diese Ausstellung schafft einen Raum der Aufrichtigkeit… Wie unendlich schön, sensibel und notwendig in dieser Zeit“, so schrieb eine Besucherin. Die Ausstellung „Erzähl` mir was vom Tod“ holt das Jenseits ins Diesseits zurück – auf kindgerechte Weise – die auch den Erwachsenen gut tut. Wer sie verlässt, hat meist ein Lächeln auf den Lippen oder erzählt angeregt mit Oma und Opa oder Freunden. Und das Reden oder Nachdenken geht weiter: zuhause, noch am Abend oder am nächsten Tag mit Eltern oder in der Schule. Und dann, hoffentlich, immer wieder, wenn es der Anlass gebietet. Die Ausstellung kann den Schmerz im Ernstfall nicht abnehmen und will es auch nicht. Sie möchte mehr Natürlichkeit und Normalität des Umgangs mit dem Tod mitten ins Leben bringen. Deshalb ist sie nicht nur eine Ausstellung über den Tod, sondern eigentlich eine über das Leben.